Timo Schreibt

GRAU

Herzlich Willkommen zu GRAU.

GRAU ist eine Kurzgeschichte in 3 Teilen. Jeden Freitag wird ein weiterer Teil erscheinen. Vielleicht erkennt ihr auch zu welchem Anlass die Idee in meinem Kopf rumschwirrte.

Wir alle waren nur noch eine breite Masse, das habe ich bereits verstanden und doch interessierte es niemanden mehr. Keiner machte mehr seinen Mund auf. Niemand achtete auf anderen und sorgte sich um irgendwen. Kinder durften nicht mehr kreativ sein. Spaß ,ein Fremdwort in meiner Welt.
Inzwischen war ich schon fast fünfundzwanzig und ich wusste jetzt schon, das alles hervorbestimmt war. Niemand ließ mir eine freie Entscheidung und so wurde ich wie alle anderen eine graue Masse. Nach dem dritten Weltkrieg verfiel das Land in eine Depression, aus der es bis heute nicht erwacht war. Natürlich waren wir wieder an diesem Krieg schuld. Seitdem sind wir stumm, keiner redete mehr irgendein Wort. Alles war verstummt, sogar die Natur.
Früher sangen und tanzten wir. Das ist vielleicht gerade mal Zehn Jahre her. Jeder lebte für sich und hatte irgendeinen Job. Ich saß an der Kasse und scannte die Lebensmittel der Menschen ein. Selbst das war grau. Früher glänzten hier und da leuchtende Anzeigen, mittlerweile nichts mehr. Am liebsten würde ich weinen, aber ich kann nicht. Die Quelle versiegte schon vor langer Zeit.
Ich schaute von dem Scanner auf und betrachtete die Umgebung, alles lief hier im gleichen Schritt. Kinder konnten hier nicht heulen, da sie fortgeschafft worden sind, sie kommen erst wieder im Alter von 21 Jahren zurück. So versuchten die Mütter zu weinen, aber konnten es nicht. Die Natur hat uns jegliche Emotion abgeschaltet. Warum musste es so weit kommen, warum konnte der Mensch sich nicht einmal zusammenreisen. Diese Frage stellte ich mir seit Jahren. Damals wurde musiziert um Frieden zu demonstrieren, doch danach taten die Menschen nichts mehr. Sie trauten sich nicht den Mund auf zu machen, ich auch nicht. Früher war ich einer dieser medialen Personen und heute bin ich nur ein Teil der grauen Masse. Ich machte mich über andere lustig und wozu das Ganze, warum habe ich keine dringenden Worte in den Mund genommen. Wir wollten keine Stimme erheben und nun haben wir keine mehr. Der Mensch hat das Sprechen verlernt. Der Mensch hat die Fähigkeit farben zusehen verlernt. Der Mensch hat die Fähigkeit zu lieben verlernt. Der Mensch ist grau.
Nach der Arbeit ging ich an das Ufer und genoss es das Wasser zu sehen. Der Mensch hat das Hören verlernt. Etwas genießen konnten nur noch wenige Menschen. Die Konsumgesellschaft vor dem Krieg hat dem Mensch geschadet. Auf der Wiese hinter mir saß eine Frau und las. Was anderes als Geschichten von früher zu lesen , war nicht mehr möglich. Die Autoren hatten die Kreativität verloren. Sie fielen in ein tiefes grau, wie der Rest der Menschen. Ich konnte nichts mehr empfinden, deshalb ging ich nicht zu ihr sondern blieb an meinem Platz.
Zwischen uns war nur grau.

 

(C) Timo Muth

 

 

 


Dieser Blog ist ein rein privat betriebener Blog, ich werde für keinerlei Beiträge bezahlt.  Euer Timo
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